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    Pflege - Prämienanreiz für die Pflege

    Pflege - Prämienanreiz für die Pflege

    17.05.2018

    ver.di zu Prämien-Vorschlag des Pflegebeauftragten Westerfellhaus: Prämienanreiz für die Pflege ist politische Bankrotterklärung. Westerfellhaus weiß nicht, was Beschäftigte in der Pflege brauchen. Nötig ist gesetzliche Personalbemessung 

    Laut Medienberichten schlägt der frisch bestallte Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, zur Lösung des Personalmangels und Nachwuchsproblems in Pflegeberufen Prämienanreize für Berufseinsteiger von 3000 € bzw. für Berufsrückkehrer in Höhe von 5000 € vor. Für Teilzeitkräfte solle die Prämie anteilig ausfallen. Im Gegenzug ergebe sich für die Prämien eine Verpflichtung zur Weiterbildung. Gezahlt werden sollten diese Prämien nach den Vorstellungen von Westerfellhaus aus Steuermitteln, d. h. von der Aufkommensgemeinschaft der Steuerzahlenden. 

    Julia Niekamp, bei der Gewerkschaft ver.di in Süd-Niedersachsen zuständig für Krankenhäuser und Altenpflege dazu: „Vielleicht hat Herr Westerfellhaus noch nicht mitbekommen, dass derartige Prämienzahlungen auch in dieser Höhe bereits weit verbreitet sind – und sie werden von den Kliniken gezahlt, auch um Beschäftigte von anderen Häusern abzuwerben. Es ist als Alarmzeichen für den Pflegenotstand deutlich genug, dass es solche Prämien gibt, dass aber der Pflegebeauftragte der Bundesregierung solche Prämien z. B. nicht mehr vom Helios-Konzern, sondern vom Steuerzahler finanziert sehen möchte, kann nur noch als politische Bankrotterklärung gewertet werden. Das hieße, dass in einer stark privatisierten Klinik- und Pflegebranche profitorientierte Träger ihre Personalrekrutierung und letztlich ihre Unternehmensgewinne nochmal durch die Steuerzahlenden alimentiert bekämen.“ 

    Heute sei es so, dass aufgrund der gestiegenen Arbeitsbelastung in der Pflege Beschäftigte zunehmend in die Teilzeit flüchten. Betriebsräte wiederum kämpften ständig mit den Klinikleitungen um verlässliche Dienstpläne, um Beschäftigten eine planbares Freizeit- und Familienleben zu ermöglichen. Viele ausgelernte Pflegeschüler blieben nur kurz im Beruf, um dann lieber Medizin zu studieren oder strebten Leitungspositionen an. 

    „Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung hat offensichtlich keine Ahnung, was Beschäftigte und Berufsstarter brauchen, wenn man Pflegeberufe dauerhaft attraktiv erhalten will. Personalmangel in der Pflege hat seine Ursache in mittlerweile unerträglichen Arbeitsbedingungen durch mangelnde Refinanzierung der Personalausstattung in Kliniken und Pflegeheimen. Und durch ein Fallpauschalensystem, dass in der Refinanzierung von Krankenhauskosten Pflegeaufwand zum Kostenfaktor reduziert. Was wir brauchen, ist eine echte gesetzliche Personalbemessung in der Pflege, die auch hinreichend refinanziert wird. Und die über bloße Untergrenzen hinausgeht. Wir laden Herrn Westerfellhaus gerne nach Niedersachsen ein, um sich von Betriebsräten und Beschäftigten einmal direkt über die derzeitige Situation und Handlungsbedarf in der Pflege ins Bild setzen zu lassen.“

     

     

    Pressekontakt

    Julia Niekamp
    ver.di - Bezirk Region-Süd-Ost-Niedersachsen
    Groner-Tor-Str. 32, 37073 Göttingen
    Tel.: 05 51 / 5 48 50-13 │ 01 75-2 61 96 84
    E-Mail: julia.niekamp@verdi.de