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    Helios

    Helios

    23.10.2015

    Der Helios-Konzern ist der größte Krankenhausbetreiber in Deutschland und hat für dieses Jahr einen Gewinn von über 600 Millionen Euro angekündigt.  Während die niedersächsische Krankenhausgesellschaft davon spricht, dass zwei Drittel der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben, sprudeln bei den Helios-Kliniken die Gewinne.

    Wie macht Helios das? Wie wirkt sich dies auf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten aus? Welche Folgen kann dies für Patienten haben?

    Helios wird mit seiner Politik der Personalverknappung immer mehr zum Trendsetter für die gesamte Krankenhauslandschaft.

    Die Gewerkschaft ver.di hat dazu in den vergangenen Monaten mit den Betriebsräten aus den niedersächsischen Helios-Kliniken eine systematische Analyse erstellt.

    Hier die Schlagworte:

    • Klare Aussage in allen Kliniken: Personal im Pflegebereich zu knapp besetzt
    • Kostensenkung durch Outsourcing und Konzentration  auch in sicherheitsrelevanten Bereichen wie der Sterilisation – zusätzliche Belastungen für die Beschäftigen in den Kliniken
    • Die Stationsbesetzungen werden durch konzerninterne Benchmarks gesteuert - Stationen werden mit der      Verwaltung des Personalmangels sich selbst überlassen
    • Paradebeispiel für „Indirekte Steuerung“: nicht genug Personal und kein Ausfallkonzept bei Krankheit
    • Betriebsräte fordern schon lange Ausfallkonzept ein und beantragen Strafgelder beim Arbeitsgericht
    • Personaleinsparungen durch vorübergehende Stationsschließungen – Patienten werden quer zu medizinischen Fachgebieten im Hause verteilt
    • Gesetzliche Verpflichtung zu Gesundheitsschutz wird weitgehend ignoriert - Gesundheit der Beschäftigten durch Arbeitsbedingungen in Gefahr
    • Trotz erheblicher eigener Versäumnisse beim Gesundheitsschutz für die Beschäftigten: Helios greift zu Sanktionen und kündigt wegen Krankheit
    • Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung – hohe Anzahl von Gefährdungsanzeigen der Beschäftigten
    • Auswirkungen auf Patienten wahrscheinlich

     Zusammenfassung:

    Zugespitzt in wenige Kernsätze lässt sich, so ver.di-Krankenhausexperte Jens Havemann, Folgendes formulieren:

    Die Befragung ergibt eindeutig: Das Personal im Pflegebereich ist zu knapp besetzt. Helios rühmt sich ja selbst damit, dass sie weniger Personal beschäftigen. Anders als Helios offiziell erklärt, sehen wir aber nirgendwo im Gegenzug ein System, mit dem Helios die hier zielgerichtet Prozesse initiiert, steuert und auswertet, wie die Arbeit mit weniger Personal zu schaffen ist. Mit diesem Problem bleiben die Pflegekräfte auf den Stationen weitgehend allein.

    Dass das zu hohen Belastungen bei den Beschäftigten führt, ist klar. Aber auch hier lässt Helios das Pflegepersonal allein. Der gesetzlich vorgeschriebene Gesundheitsschutz für die Beschäftigten wird erheblich vernachlässigt. Deshalb unsere These: Es gibt zu wenig Personal für zu viele Patienten. Würde die Arbeitsbelastung so untersucht, wie es eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist, würde dies auch eindeutig belegt werden.

    Im Einzelnen:

    Nach Auswertung der Berichte der Betriebsräte gibt es ein eindeutiges Fazit: Die wesentliche Stellschraube für die Gewinne ist bei Helios eindeutig das Personal:

    Im Bereich der Pflege werden die Personalkosten reduziert durch die Anzahl des beschäftigten Personals, eine konsequente Ausnutzung der Flexibilität von Teilzeitbeschäftigten, ständiges Holen aus dem Frei, so dass kaum noch ein planbares Freizeit- und Familienleben möglich ist. Weitere Methoden sind: Reduzierung der Zusatzkosten bei Krankheitsausfällen sowie durch kurzfristige Personalanpassungen bei sinkender Patientenzahl beispielsweise durch vorübergehende Stationsschließungen.

    In den übrigen nicht-ärztlichen Bereichen werden die Kosten reduziert durch Ausgründungen und klinikübergreifende Konzentration von Abteilungen. Bei den Ausgründungen ergeben sich erhebliche Einsparungen - sowohl durch die Menge des Personals als auch durch eine Absenkung des Gehaltsniveaus. Für die Beschäftigten in den Kliniken bringen solche Maßnahmen stets zusätzliche Belastungen mit sich. Um den Klinikalltag zu bewältigen, werden die einzelnen Einheiten gezielt der Indirekten Steuerung ausgesetzt, d.h. einer weitgehenden Selbstorganisation in der Verwaltung des Personalmangels. Dieses hat erhebliche Folgen.

    „Personal im Pflegebereich zu knapp besetzt“

    In sämtlichen Kliniken wird die Personalbesetzung im Pflegebereich unisono als das größte Problem dargestellt. Die klare Aussage lautet: „Das Personal im Pflegebereich ist zu knapp besetzt“. Dies bestätigen auch Stichproben im regionalen Vergleich in der Region Braunschweig. In vergleichbaren Krankenhäusern ist  zwischen 5 und 10 % mehr examiniertes Pflegepersonal beschäftigt.

    Die Stationsbesetzungen werden durch konzerninterne Benchmarks gesteuert - Stationen werden mit der Verwaltung des Personalmangels sich selbst überlassen

    Wie aber funktioniert der Krankenhausalltag dann? Zentrale Stellschrauben sind Benchmark und sog. „Indirekte Steuerung“: konzernintern gibt es ein ausgefeiltes Benchmark, das die Personalbesetzung der Stationen detailliert nach dem Prinzip vergleicht „Wer schafft es mit am wenigsten Personal?“ steuert. So wird der interne Wettbewerb permanent neu entfacht und eine Abwärtsspirale ausgelöst. Konkret: Die einzelnen Stationen werden im bundesweiten Vergleich aller Kliniken mit rot/gelb/grün bewertet. Rot heißt: zu viel Personal!

    Zudem werden die Stationen mit dem gesetzten Personal weitgehend der Selbstorganisation überlassen werden. Eindeutige Aussagen aller Betriebsräte: Mit dem definierten  Personal müssen die Patienten behandelt werden, was auch immer passiert. Von den Stationsleitungen wird erwartet, dass sie dies organisieren. „Das erreichen wir aber nur, wenn alle Abteilungen sich selbst verbessern und das auch wollen. Es hängt an uns allen, gemeinsam besser zu werden!“, so oder so ähnlich werden die Erwartungen formuliert, mit denen Helios insbesondere die mittlere Leitungsebene in die Verantwortung nimmt.

    Werner Behrens, stellvertretender Vorsitzender des Helios-Konzernbetriebsrates: „In der Akutsituation führt dies immer dazu, dass die Pflegekräfte alles dafür tun, dass die Patienten bestmöglich versorgt werden. Sie hetzen, rennen im Laufschritt von einem Patienten zum nächsten, machen keine Pausen, dafür viele Überstunden und springen ein, wenn sie eigentlich frei haben – alles dafür, dass das Patientenwohl bei der minimierten Personaldecke nicht untergeht. Und Helios gewinnt“.

    Paradebeispiel für Indirekte Steuerung: Nicht genug Personal und kein Ausfallkonzept bei Krankheit

    Ein Paradebeispiel für dieses Prinzip ist der Umgang mit Krankheitsausfällen. Eindeutige Aussage der Betriebsräte: Ein funktionierendes Ausfallkonzept  gibt es in keiner Klinik. Es wird erwartet, dass Krankheitsausfälle im Team oder stationsübergreifend ohne zusätzliches Personal gelöst werden. Eine Krankheitsreserve, die vorhanden und damit einsetzbar ist, existiert nicht. Was macht Helios aber dann? Auch darauf haben die Betriebsräte eine klare Antwort: Die einzige Ausfallreserve, die genutzt wird, sind die Auszubildenden. Sie werden hin- und hergeschoben, wo immer das nötig ist, um Lücken zu stopfen. Ob sie dafür auch nur annähernd qualifiziert sind, spielt keine Rolle.

    Dies führt dazu, dass gleichgültig wie hoch die Krankheitsquote auch steigt, diese zum großen Teil vom vorhandenen Personal kostengünstig kompensiert werden. Werden Beschäftigte zu zusätzlichen Diensten aus dem Frei gerufen, kann dies kostenneutral wieder abgebaut werden, in dem zu anderen Zeiten Stationen geschlossen werden oder an anderer Stelle die  Besetzung reduziert und mit Auszubildenden besetzt werden.

    Havemann: „Dies erscheint umso dramatischer, weil die Besetzung schon soweit  heruntergefahren ist, dass auch ohne Ausfall alle bis an das oberste Limit eingespannt sind. „Wenn einer ausfällt, bricht alles zusammen“ wurde es von einer Betriebsrätin auf den Punkt gebracht. Dass dieses extreme Auswirkungen auch auf die Patienten hat, zeigt gerade der Fall „Solidarität mit Jana“ im Klinikum Salzgitter, wo die Auseinandersetzung um einen Vorfall  eskaliert, als eine examinierte Krankenschwester mit einer Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr 34 Patienten im Spätdienst versorgen musste.“

    Betriebsräte fordern schon lange ein Ausfallkonzept und beantragen Strafgelder beim Arbeitsgericht

    Betriebsräte in mehreren Kliniken fordern deshalb seit geraumer Zeit genau für diesen Zweck zusätzliches Personal ein, das z.B. über eine höhere Besetzung auf den Stationen oder einen ausreichenden Springerpool entsprechend der Krankheitsquote eine geplante Personalreserve organisiert. Trotz hoher Konfliktkosten von bereits heute mehreren  100.000 Euro pro Jahr durch Anwälte, Gerichtsverfahren und Einigungsstellen lassen sich die Kliniken auf diesen Weg nicht ein. Mehrere Betriebsräte haben deshalb die Gerichtsverfahren eingeleitet, die am Ende Helios exorbitante Strafgelder kosten werden.

    Personaleinsparungen durch vorübergehende Stationsschließungen – Patienten werden quer zu medizinischen Fachgebieten im Hause verteilt

    Verstärkt zu beobachten sind auch vorübergehende Stationsschließungen, wenn die vorhandenen Patienten auf weniger Stationen zusammengelegt werden können. Das Prinzip: Die Patienten werden dann auf die übrigen Stationen verteilt, ohne auf den aufnehmenden, teilweise auch überbelegten Stationen das Personal weiter aufzustocken. Das Personal der geschlossenen Stationen kann Überstunden abfeiern, was aufgrund der hohen Arbeitsbelastung und der mangelnden Alternativen auch wahrgenommen wird.

    Für die Patienten haben die Stationszusammenlegungen teilweise erhebliche Auswirkungen, da eine Belegung durchaus auch quer zu den medizinischen Fachgebieten erfolgt. Die Folgen sind nach Berichten der Betriebsräte fatal: „Da kommt es dann schon mal vor, dass Ärzte sich quer durch das Haus auf die Suche nach ihren Patienten machen müssen, weil sie über diverse Stationen verteilt liegen.“

    Deutlich wird, dass sehr bewusst und gezielt an der Stellschraube Personal gedreht wird. Die Berichte der Betriebsräte sind eindeutig: Es wird nicht das Personal eingesetzt wird, was nach dem zu erwartenden Arbeitsaufkommen notwendig ist, sondern, das was aus Kostengründen sinnvoll erscheint: bei niedrigen Patientenzahlen wird der Personaleinsatz schnellreduziert, die Personalaufstockung bei steigenden Patientenzahlen und Überbelegung dagegen passiert sehr langsam und zögerlich.

    Kostensenkung durch Outsourcing und Konzentration  auch in sicherheitsrelevanten Bereichen wie  der Sterilisation – zusätzliche Belastungen für die Beschäftigen in den Kliniken

    Die Tendenz zum Outsourcing geht immer weiter. Dieses betrifft alle nicht-ärztlichen Bereiche außerhalb der Pflege wie Reinigung, Küche, Technik, Archiv, Materialwirtschaft, Logistik, Hol- und Bringedienste etc., mittlerweile aber auch die Personalabteilung und die IT. Zusätzlich setzt Helios zudem auf Konzentration, dies durchaus auch in sicherheitsrelevanten sensiblen Bereichen wie der Sterilisation. Hier war es gerade zu Jahresanfang 2015 durch die standortübergreifende Konzentration zu erheblichen Risiken gekommen. Dabei war zu beobachten, dass die Instrumente nicht in dem Zustand waren, wie sie eigentlich für die Operation eigentlich hätten sein müssten. Da hier ein Austausch bzw. Ersatz nur sehr eingeschränkt möglich ist, ist das Risiko hoch, dass Mängel unter Umständen nicht entdeckt werden bzw. die OPs bereits eingeleitet sind, wenn die Mängel entdeckt werden. Hier liegen erhebliche Risiken für die Patienten.

    Havemann: „Ausgründungen und Konzentrationen werden immer wieder mit Kostenreduzierung begründet. Man hat den Eindruck, dass hier jeder Euro eingesammelt wird.“

    Für die ohnehin stark belasteten Beschäftigten in den Kliniken bedeutet jede dieser Maßnahmen stets zusätzlichen Aufwand, da die Arbeitsabläufe und Entscheidungsstrukturen dadurch fragmentiert und unklarer werden. Havemann: „Auch hier war der Bereich der Sterilisation ein absolutes Extrembeispiel. Das Personal im OP muss zusätzliche Tätigkeiten und Überwachungsaufgaben übernehmen, die Unsicherheit über die Qualität der Sterilisation führt zu extremer psychischer Belastung.“ 

    Ähnliches gilt auch für die Ausgründung der Materialwirtschaft. Auch hier  ist die Belastung für das Pflegepersonal stark gestiegen, weil die Materialen nicht mehr an den vorgesehen Plätzen auf den Stationen, teilweise die Materialien fehlen, zu wenig oder zu viel bestellt wurde. Behrens: „In den Gefährdungsanzeigen wird vielfach darauf hingewiesen, dass in Fällen von Unterbesetzung durch Krankheitsausfälle die Probleme auch dadurch nochmals extrem verschärft werden, weil das Pflegepersonal sich die benötigten Materialien im Haus erst einmal von den verschiedenen Stationen zusammensuchen muss.“ 

    Auswirkungen auf die Qualität der Versorgung – hohe Anzahl von Gefährdungsanzeigen der Beschäftigten

    In den meisten Kliniken liegt eine hohe Anzahl von Gefährdungsanzeigen vor. Hiermit zeigen Beschäftigte an, dass zu wenig Personal für zu viele Patienten eingesetzt ist und aufgrund dessen die Versorgung nur erheblich eingeschränkt erfolgen kann. Die Anzahl schwankt je nach Klinikgröße: In kleineren Kliniken sind es 10-15,  in größeren durchaus auch 30-40 pro Monat.  Wie reagiert Helios darauf? Darauf geben Betriebsräte eine klare Antwort: Wirksame Maßnahmen zur Gefährdungsabwehr bzw. Verbesserung für die Zukunft  werden von Helios allenfalls in absoluten Ausnahmefällen getroffen. Stattdessen werden die Gefährdungsanzeigen ignoriert.

    Im Gegensatz ist sogar ein klarer Trend zu beobachten, dass Helios die Hürden für die Gefährdungsanzeigen bewusst hoch schraubt. Nicht nur, dass die Beschäftigten resignieren, weil Gefährdungsanzeigen folgenlos bleiben. In vielen Kliniken ist es an der Tagesordnung, dass Beschäftigte nach jeder Überlastungsanzeige zum Personalgespräch gerufen werden und sich rechtfertigen müssen. Havemann: „So lassen sich auch dokumentierte Gefährdungen reduzieren. Auch hier ist der aktuelle Fall Jana  aus Salzgitter ein sehr anschauliches Beispiel, das keinen Einzelfall darstellt, sondern als Methode eingestuft werden muss. Eine neue Qualität hat allerdings die Sanktion gegen den Betriebsrat.“

    Gesetzliche Verpflichtung zu Gesundheitsschutz wird weitgehend ignoriert  - Gesundheit der Beschäftigten durch Arbeitsbedingungen in Gefahr

    Nach dem Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Gesundheit durch die Arbeit nicht gefährdet wird. Dafür müssen die Belastungen an den Arbeitsplätzen untersucht werden und Gefährdungen abgestellt werden. Dieses gilt klassischer Weise für technische Gefährdungen, aber genauso für psychische Belastungen. Der Arbeitgeber muss also im Einvernehmen mit dem Betriebsrat untersuchen, ob durch die Arbeitsbedingungen, Arbeitsmenge, Arbeitsorganisation, Hektik, Unterbrechungen, Krankheitsausfälle, erschwerende Bedingungen, fehlende Pausen etc. die Gesundheit der Beschäftigten gefährdet wird. Ist das der Fall, ist er gesetzlich verpflichtet, umgehend wirksame Abhilfemaßnahmen umzusetzen.

    Angesichts hoher überdurchschnittlicher  Krankheitsquoten in den Kliniken sind hier eindeutige Indizien gegeben, dass gesundheitsgefährdende Faktoren vorliegen. Helios hat jedoch nur in den wenigsten Kliniken überhaupt eine fundierte Analyse der psychischen Belastungen durchgeführt, wie sie gesetzlich vorgeschrieben ist. Dort wo die Analyse detailliert stattgefunden hat, bestätigt sich die extreme Belastung für die Beschäftigten. Gegenmaßnahmen von Helios, die wirksam diese Arbeitsbelastung reduzieren, fehlen jedoch gänzlich.

    Havemann: „Auch dieses erscheint im Sinne des Kostenmanagements und der Renditeerwartungen folgerichtig. Wirksame Gegenmaßnahmen wären aller Wahrscheinlichkeit nach nur durch eine wesentliche Aufstockung des Personals möglich! Genau das will Helios vermeiden, da dies natürlich Signalwirkung für alle anderen Kliniken hätte.“

    Mehrere Betriebsräte haben hier ihren zweiten Schwerpunkt gesetzt und sind seit Monaten aktiv. Leider sind die Zeitäbläufe aufgrund der sehr abwartenden Haltung von Helios so langwierig, dass Jahre vergehen können, bis die Betriebsräte gegen den Willen von Helios wirksame Maßnahmen  durchgesetzt haben.

    Trotz erheblicher eigener Versäumnisse beim Gesundheitsschutz für die Beschäftigten: Helios greift zu Sanktionen  und kündigt wegen Krankheit

    Leider zeigt sich auch hier ein erster Trend, dass Helios zum Mittel der Sanktionen und Disziplinierung greift. In drei der Kliniken wurde jetzt dort begonnen, krankheitsbedingte Kündigung auszusprechen. Dieses ist aus mehreren Gründen sehr diffizil:  Havemann „Wenn zu befürchten ist, dass gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen vorliegen und Maßnahmen dagegen möglich wären, aber verschleppt werden, wäre das ein klarer Verstoß gegen das Arbeitsschutzgesetz. Wenn Helios mögliche Maßnahmen unterlässt, um die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, dann aber die Beschäftigten kündigt, weil sie krank geworden sind, dann werden die Gewinne auf dem Rücken der Beschäftigten erwirtschaftet. Ob es im Sinne der Patienten ist, dass Beschäftigte sich krank zur Arbeit schleppen, weil sie mit befürchten müssen, dass ihnen die Lebensgrundlage durch Kündigung entzogen wird, sei dahin gestellt.“

    Auswirkungen auf Patienten wahrscheinlich

    In internationalen Studien gibt es klare Belege. Die Patientensicherheit wird geringer, je weniger Personal eingesetzt wird.  Selbst eine erhöhte Sterberate ist belegt. So wird mit jedem zusätzlichen zu betreuendem Patienten pro Pflegekraft eine Erhöhung des Mortalitätsrisikos um 7% assoziiert. Ebenso ist klar, dass Zeitdruck unweigerlich dazu führt, dass Hygiene vernachlässigt wird.

    Havemann: „Auch wenn Helios eigene Statistiken entgegenstellt, so wäre es verwunderlich, dass diese Zusammenhänge bei Helios nicht gelten sollten. Und die Statistiken von Helios sagen nichts darüber aus, mit welchen konkreten Instrumenten die wissenschaftlichen Trends denn umgedreht werden.“

    Havemanns Abschlussbilanz: „Hier wird deutlich wie die Renditeerwartungen von 15 % im Wesentlichen erwirtschaftet werden. Leidtragende sind belegbar die Beschäftigten und – so steht es sehr wahrscheinlich zu vermuten  - die Patienten.“