Nachrichten

    EWE kündigt Sozialpartnerschaft auf!

    EWE AG

    EWE kündigt Sozialpartnerschaft auf!

    Tarifflucht für das neue Gemeinschaftsunternehmen für erneuerbare Energien?
    Energiewirtschaft Pexels EWE kündigt Sozialpartnerschaft auf!


    Beim neuen Gemeinschaftsunternehmen „Alterric“ der EWE und der Aloys- Wobben-Stiftung (AWS), das sich gerade in Gründung befindet, knirscht es gewaltig. Seit Mitte Februar 2021 verhandelt die Gewerkschaft ver.di mit der EWE AG über einen Tarifvertrag für die aktuell rund 200 Beschäftigten. Bereits in Kürze soll es einen weiteren Ausbau auf über 300 Beschäftigte geben, die dann unter den Tarifvertrag fallen sollen. 

    Aktuell gibt es bereits einen ver.di-EWE-Tarifvertrag für rund 60 der 200 Beschäftigten. Dieser soll nach Willen der EWE aber nicht für die gesamte neue Gesellschaft gelten, das wäre ihnen zu teuer. Über ein akzeptables Niveau konnte bislang aber noch keine Einigung erzielt werden. Am Freitag, 09.04.2021 hat der EWE Vorstand der ver.di-Verhandlungsführung überraschend das Ende der Tarifverhandlungen erklärt, er wolle sie nicht fortsetzen.

    Heute hat die EWE die betroffenen Beschäftigten informiert und Ihnen gleichzeitig eine Anpassung ihrer Arbeitsverträge mit den Bedingungen des in den Verhandlungen gemachten Arbeitgeberangebotes angeboten. Dieses Angebot hatte ver.di als nicht annehmbar zurückgewiesen. 

    „Dieses Vorgehen ist einzigartig und macht mich fassungslos. Hier wird eine lange praktizierte vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern in der EWE mit Füßen getreten“, so Detlef Ahting, ver.di-Landesbezirksleiter Niedersachsen-Bremen. Für die Gewerkschaft ver.di ist es ein „Dammbruch, der in dieser Form noch nie in einem nach wie vor öffentlich geführten Unternehmen wie die EWE passiert ist.“ Aber auch in der Energiewirtschaft sei das beispiellos. 

    Erst kürzlich wurde das Joint-Venture als ein „Meilenstein für die Energiewende“ bezeichnet und auch ver.di verband damit große Hoffnungen für die Region und für neue Arbeitsplätze. Ahting: „Zur Transformation in der Energiewirtschaft gehört neben Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit auch ´Gute Arbeit´. Dafür sind Sozialpartnerschaft und ein Tarifvertrag Grundvoraussetzung.“ Das war auch das gemeinsame Verständnis, dass Politik, Gewerkschaften und Unternehmen im Auricher Appell erst im September 2020 unterzeichnet haben. „Nun müssen diesen Worten auch Taten folgen,“ so Ahting weiter. 

    Die Gewerkschaft habe in den Tarifverhandlungen der EWE „die Hand gereicht“ und nicht auf eine 1:1 Übernahme des EWE Tarifvertrages für das neue Unternehmen bestanden. Allerdings müsse es insbesondere für die aktuell unter den Tarifvertrag fallenden Beschäftigten eine Absicherung in Form eines Besitzstandes geben. Darüber gab es in den letzten Wochen erheblichen Streit. 

    ver.di fordert den EWE Vorstand ausdrücklich auf, nicht weiter auf Eskalation zu setzen, sondern die Tarifverhandlungen fortzusetzen. Dazu habe man auch die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens ins Spiel gebracht. Leider habe der EWE Vorstand selbst das kategorisch abgelehnt.

    Ahting: „EWE will offensichtlich die Konfrontation mit ver.di. Mit Blick auf eine lange gemeinsame und erfolgreiche Historie bedaure ich das zutiefst. Für Alterric ist das leider ein großer Rückschlag.“ Es wäre aber auch für den Ausbau der Erneuerbaren insgesamt ein fatales Signal. „Ich fordere den Vorstand daher auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“